Hören Sie auf Ihren Verstand - nicht auf Ihren Bauch.

Die Diskussion um die Maßnahmen zur Verkehrslärmreduzierung – insbesondere im Fall von Temporeduzierungen – sind oftmals geprägt von einem „Bauchgefühl“. Dabei ist durch zahlreiche Untersuchungen erwiesen, dass der Verkehrslärm durch langsameres Fahren deutlich gesenkt wird und die Nachteile der Autofahrer wesentlich geringer sind, als „aus dem Bauch heraus“ vermutet. Machen Sie sich selbst ein Bild von den Tatsachen – Mitmachen lohnt sich.

„Na prima – jetzt verliere ich jede Menge Zeit!“

Jede Menge ist relativ – oder schlichtweg falsch. Denn bei einer Strecke von 1 Kilometer, bei der nachts Tempo 30 statt 50 gilt, beträgt der Zeitverlust gerade einmal 50 Sekunden. Zeit, die ich tagsüber schon bei einer einzigen roten Ampel warten muss.

„Langsamer ist doch lauter – denkt nur mal an die LKWs!“

Dass langsamer leiser ist – vor allem durch geringere Roll- und Motorgeräusche – wird bei PKWs niemand ernsthaft bezweifeln. Und auch bei LKWs ist erwiesen, dass der Verkehrslärm reduziert wird. Klar ist dies immer abhängig von der örtlichen Situation – in Summe aber wird es leiser und damit angenehmer für die Anwohner.

„Mir doch egal – ich fahr einfach außen rum und bin schneller!“

Schneller auf gar keinen Fall – höchstens gefühlt und damit „aus dem Bauch“. Der Verstand aber sagt: Wenn ich Ausweichstrecken nehme, komme ich in der Regel auch nicht schneller zum Ziel und verbrauche, weil ich eine längere Strecke fahre, auch noch mehr Benzin.

„Als Anwohner einer Ausweichstrecke bin ich der Gelackmeierte!“

Dies gilt nur dann, wenn ein Großteil der Verkehrsteilnehmer die Ausweichstrecken nimmt. Unsere Aufgabe ist es, stark lärmbetroffene Bürger zu entlasten ohne andere unzumutbar zu beeinträchtigen. Wir setzen deshalb auf die Vernunft und die Rücksicht der Verkehrsteilnehmer. 

„Das ist doch alles Aktionismus und völlig willkürlich!

Völlig falsch. Es gibt einen klaren gesetzlichen Auftrag. Hier wurde wissenschaftlich analysiert und sorgfältig abgewogen. Jetzt wird professionell gehandelt. Nicht "aus dem Bauch heraus" – sondern mit Verstand. Das wird in vielen anderen Städten auch schon so praktiziert und kommt früher oder später im ganzen Land.

Warum gibt es in meiner Straße kein Tempo 30?

Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Die häufigsten des § 45 der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind hier aufgelistet:

  • a) Bei Lärmberechnungen wurden die festgesetzten Auslösewerte der Lärmaktion von
        70 dB am Tag oder 60 dB in der Nacht nicht erreicht.

    b) Die Voraussetzungen für verkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung
        vor Lärm und Abgasen sind trotz Erreichen der Auslösewerte auf Grund der notwendigen
        gesamtverkehrlichen Betrachtung nicht möglich.

  • Ein Grund könnte auch sein, dass Ihr Haus zu weit von der Straße entfernt steht, sodass zwar auf der Straße, aber nicht mehr an Ihrem Haus die Auslösewerte erreicht werden. 

  • Durch Einführung von Tempo 30 könnten Fahrer auf Nachbarstraßen ausweichen und diese erheblich stärker mit Lärm belasten, wodurch die Gesamtbilanz der Lärmbelastung verschlechtert würde. Dies soll aber möglichst vermieden werden.

  • Häufig überhöhten Geschwindigkeiten kann nicht dadurch begegnet werden, dass einfach ein geringeres Tempolimit angeordnet wird. In solchen Fällen sind Geschwindigkeitskontrollen das geeignete Mittel, damit z.B. Tempo 50 eingehalten wird. Aus Kosten- und Personalgründen können diese nur stichprobenartig durchgeführt werden. 

  • Ihr Wohngebäude befindet sich nicht  in einem Erholungsort von besonderer Bedeutung, in dem an Straßenabschnitten mit Erholungseinrichtungen Tempo 30 angeordnet werden kann.

  • Geschwindigkeitsbeschränkungen können aus Gründen der Verkehrssicherheit angeordnet werden, wenn z.B. das Unfallaufkommen aber auch gefährliche, oder sehr kurvige Streckenverläufe, starkes Gefälle, starke Fahrbahnschäden usw. dies erfordern. Allgemeine Sicherheitsbedenken reichen dabei meist nicht aus.